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Tipp zur Tiefenschärfe

18.03.2011 14:47
 
HDFr. 18 Mär. 2011, 14:47 Uhr
Der Gedanke kam mir gestern erst, ist aber ziemlich praktisch wenn man einigermaßen realistische Tiefenschärfe einbauen möchte.

Diejenigen die fotografieren wissen das mit Sicherheit.
Es gibt nicht nur einen Zusammenhang zwischen der Stärke der Tiefenschärfe und der verwendeten Blende sondern auch die Entfernung vom Objekt spielt dabei eine Rolle.

Wie das zusammenhängt kann man zB. hier rechnen lassen.

http://www.dofmaster.com/dofjs.html

So hat zb. ein Objekt in 1 m Entfernung von der Kamera bei Brennweite 50 und Blende 2.8 einen Schärfebereich von gerade mal 4 cm. 2 cm vor und 2 cm hinter dem gedachten Punkt also.

In 10 m Entfernung werden daraus schon 4,48 m.

Eine Blende von 2.8 ist eine typische low-light Blende oder um sehr kurze Verschlußzeiten bei schnell bewegten Objekten z.B. zu ermöglichen, passt also eher nicht in eine ruhige Außenszene bei strahlender Sonne.

Dafür passt eine Blende 16 nicht wirklich zur Kerzenlichtszene, auch wenn man dabei auf 2 m Entfernung theoretisch 1 m Schärfebereich geschenkt bekäme

Die Idee kam mir gestern weil ich mal wieder darüber gestolpert bin, daß viele DOF Einstellungen in Renderings irgendwie krank aussehen weil man meist halt irgendwie irgendwas einstellt.

Unser Auge ist aber derart geschult, daß wir z.B. Landschaftsaufnahmen mit Menschen, deren Größe man ja abschätzen kann, welche mit Tilt-Shift-Effekt oder einem anderen "falschen" DOF bearbeitet wurden, im Kopf sofort in die Märklin-Welt stopfen.

Will sagen, ein Objekt in einer Entfernung von 30 m, mit 50 mm Brennweite anvisiert, hat immer noch einen Schärferaum von 66 m (11.8 m davor und 54.2 m dahinter) und nicht 2,20 m

Das ist auch ganz praktisch wenn man Objekte in bestehende Fotos composen muß.
Dann kann controlfreak sogar noch Sensor oder Filmgröße berücksichtigen lassen
Die Daten dazu gibts meist in der EXIF Abteilung des Fotos.

(Ich hoffe das macht alles Sinn was ich hier geschrieben habe.)
 
GastFr. 18 Mär. 2011, 15:01 Uhr
Ich glaube du sprichst von Vray? Kannst du dich dann auch ein wenig zum Bokeh Effekt auslassen. Da finde ich wenig bis nichts zu außer bei Fotografen.
 
HDFr. 18 Mär. 2011, 15:12 Uhr
Nein, eben nicht, ich meine tatsächlich nur Cinema.
Zu Vray kann ich zuwenig fundiertes sagen.

EDIT: Die Blende selber kann ich in Cinema natürlich nirgendwo direkt numerisch angeben, die muß ich mir aussuchen und darüber die entsprechenden DOF-Werte errechnen lassen.

Cinema kann zwar die Brennweite und die Tiefe einstellen, aber nicht in automatischer Abhängigkeit voneinander, so das z.b. die Tiefe automatisch geändert würde wenn man die Brennweite oder gar den Abstand zur Kamera modifiziert.

Das geht in Cinema m. M. n. nur "zu Fuß".

Wenn man dabei halbwegs realistische Aufnahmen hinbekommen will, kann man solche Tiefenschärferechner dazu benutzen die Entfernungen vor und hinter dem Objekt halbwegs korrekt zu berechnen.

"Halbwegs" deshalb, weil die Berechnungsgrundlage immer über der Sensor/Filmgröße erfolgt und die ist z.B. bei einer Canon 5D sehr viel größer als bei einer Pocketknipse und sehr viel kleiner als bei einer Sinar Fachkamera. Man muss sich also schon irgendwie festlegen.

Also gibt es kein absolutes "richtig" oder "falsch" sondern nur ein relatives, bezogen auf die gedachte Kamera.
Zwei identische Brennweiten und Blenden-Einstellungen bei gleicher Kameraentfernung können also in Realität völlig unterschiedliche Ergebnisse liefern.

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Wenn hier jemand fließend XPresso spricht, könnte er ja mal ein Kamerascript/-tag basteln, welches die Einstellungen automatisch rechnet und übernimmt.

Das Formelchinesisch gibt es zum Beispiel hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Schärfentiefe
 
HDFr. 18 Mär. 2011, 15:35 Uhr
Kannst du dich dann auch ein wenig zum Bokeh Effekt auslassen. Da finde ich wenig bis nichts zu außer bei Fotografen.


Puuhh...

Ich glaube nicht daß man da innerhalb Cinemas außer über die Linsenparameter viel Chancen hat.
Mit Bokeh ist ja in erster Linie die Erscheinungsart der Unschärfe gemeint.

Strenggenommen meint man meist sogar nur die Form der Spitzlichter im Unschärfebereich.
An dem Thema kleben sofort die verwendeten Linsenelemente und die Zahl der Blendenklingen dran.

5 Klingen = 5-eckige Lichter, 6 Klingen = 6-eckige Lichter usw...

Da sehe ich aus dem Stand wenig Einflussmöglichkeiten, es sei denn man rechnet einen Tiefenkanal und übergibt das ganze an spezialisierte PS oder AE-PlugIns.
AE wahrscheinlich noch eher, da ich die 3D-Projektinformationen an AE übergeben kann

PS versteht da nur Bahnhof.
 
mp5gosuFr. 18 Mär. 2011, 16:32 Uhr
Klar hat man in C4D ne ganze Menge an Einstellungemöglichkeiten. dazu sollte man mal den DOF-Effekt hinzufügen.
Übrigens, man kann spielerisch so einen Rechner in Xpresso nachbauen und den dann einfach an die Paramter mappen.

Aber dennoch: Z-Depth rendern und per Postwork machen. Hat ne ganze Reihe von Vorteilen.
 
oonibblerooFr. 18 Mär. 2011, 17:25 Uhr
das bokeh des benutzten objektivs ist immer so eine sache. die von Harald beschriebene auswirkung auf die spitzlichter bzw lichtquellen hinsichtlich der anzahl der blendenlamellen ist nur mathematisch zu sehen. ein objektiv von einem hersteller mit exakt gleichen technischen werten wie ein objektiv eines zweiten herstellers wird nicht automatisch das gleiche bokeh haben trotz gleicher anzahl an lamellen. allein die form des vielecks ist nicht zwangsläufig gleichmäßig. bei hoher lamellenanzahl (u.a. bei objektiven für mittel-/großformatkameras) wird das vieleck sogar rund. einen perfekten kreis bilden aber auch nicht automatisch alle objektive mit sehr vielen lamellen...
das ist auch der grund warum man bei vorliebe zu weiten blendenöffnungen und starken unschärfen das objektiv seiner begierde genau auf das bokeh testet vor dem kauf
man kann aber sogar seine eigene form bestimmen die in der unschärfe auftauchen soll. ein bisschen bastelarbeit reicht da schon aus...da finden sich aber sicher zahlreiche sites zu...

in vray kannst du ja bokeh aktivieren. das ist sicher der grund deiner frage Dirk, oder?

edit: schöne idee das thema des dof anzusprechen!
 
GastSa. 19 Mär. 2011, 10:25 Uhr
schöne idee das thema des dof anzusprechen!

Finde ich auch.


Als ich das erste mal DOF auf eine meiner Szenen gelegt habe, war mir gleich klar, dass der Mensch so die Größe von Objekten ermittelt, und nicht nur auf Fotos. Da muss ich mal anmerken, dass Visualisieren die Sinne schärft. Ich gehe viel Tiefer auf Licht und Schatten Phänomene ein als meine Umwelt(alles nicht 3dler). Ich sollte besser sagen bewusster. Weil es weiß schon jeder wie es nicht aussehen sollte. Interessant ist dabei auch gleich, wenn ich mich mit nicht 3dlern über alltäglich Lichtsituationen rede, fehlen ihnen die Fachbegriffe. Die Alltagssprache ist hier für gar nicht gerüstet.

in vray kannst du ja bokeh aktivieren. das ist sicher der grund deiner frage Dirk, oder?

Ja genau.
Ist meine Annahme richtig, dass sich der Effekt eigentlich nur wirklich sichtbar wird, wenn ich kontrastreiche Lichtquellen (welcher Art auch immer) außerhalb des Fokus habe?
 
HDSa. 19 Mär. 2011, 11:09 Uhr

Ist meine Annahme richtig, dass sich der Effekt eigentlich nur wirklich sichtbar wird, wenn ich kontrastreiche Lichtquellen (welcher Art auch immer) außerhalb des Fokus habe?


Sichtbar ist der Effekt eigentlich überall, aber nur an kontrastreichen Übergängen fällt er wirklich auf.
Ein dunkles Blau das in ein Schwarz verläuft geht halt schnell unter.
Ein Lichtpunkt hat eine gut wahrnehmbare Form und man sieht auch die Breite des Verlaufs in den Randbereichen sehr gut.

Gerade bei einer Fokusänderung können sich die entstehenden Formen optisch regelrecht "verselbstständigen". Da ist es dann schon interessant wie das ganze genau aussieht.

Die meisten Fotografen die ich kenne scheinen z.B. Ihre Vorlieben bei 5-8 Ecken zu haben, während weniger oder fast kreisrund nicht so beliebt zu sein scheinen.

Ist vielleicht eine Sehgewohnheit die von Aufnahmen aus Kino und Fernsehen geprägt ist.

[EDIT] Hier hab ich am Ende z.B. den umgekehrten Effekt. Die Punkte sind Dunkel während der Hintergrund hell ist. Trotzdem würde ich da von Bokeh sprechen.

Aber das Kontrast- und vor allem auch das Größenverhältnis stimmen hier wieder.

 
 

 


 
 
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