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Warum die 3D Branche in der Krise steckt

10.03.2015 16:51
 
StevenDi. 10 Mär. 2015, 16:51 Uhr
So, hierzu wollte ich schon lange was schreiben.

Was ich erstaunlich finde ist das in Deutschland in so gut wie keinem Forum die Jobsituation als 3D Artist diskutiert wird.
Man könnte denken es wären fas t nur Hobbyleute dort unterwegs was aber nicht so ist.
Ich hab vor einigen Monaten mit meinem Supervisor gesprochen, der meinte das sich in den letzten Jahren viel verändert hat.

Fangen wir mal:

- Weniger Aufträge, Mehr Agenturen, Mehr Leute

Führt dazu das erstmal zig Pitches gibt und 20 Agenturen konkurrieren.
Viele Agenturen sagen wir machen es für ein apple und ein Ei damit sie mal den zuschlag kriegen, weil von irgendwas müssen sie ja auch Leben.
Dieses gegenseitige Unterbieten ist inzwischen sehr in Mode gekommen, dadurch werden die Leute dann schlecht oder am besten gar nicht bezahlt.

-Budgets werden geringer

Angebot und Nachfrage siehe oben.

-Qualitätgeilheit

Wir wollen ein Hollywood film für ein Budget von 100.000.
Wir wollen "Fotorealistische" Visualisierungen, habe aber kaum Geld dafür übrig.


-Qualitätsstandard

Ist inzwischen so hoch das eine gewisse gleichheit herrscht.

-Generelle Wirtschaftskrise

Wir sparen zuerst im Medienbereich.


So und jetzt zu den Artist.

-Blender hat den Markt kaputt gemacht

Eine gewagte Aussage. Warum bietet man ein inzwischen so mächtiges Programm kostenlos an?
Achso es gibt ja ein Mangel an fähigen Leuten.


-Der Einstieg ist zu einfach geworden

Die Programme wurden sehr vereinfacht.
Tutorials, Internet blabla.
Zu viel wurde automatisiert, GI etc.
10 jährige Schülerpraktikanten die Maya beherrschen, kein Scherz!


-Die Folge : Viel zu viel Leute und ein nicht wachsender Markt.
Eine Agentur erhällt im Jahr mehrere hundert Bewerbungen von 3D Leute.
Selbst wenn nur 10 % gut sind. Gebraucht werden lediglich 1%.

Zu wenig Festanstellungen weil es sich nicht mehr lohnt.
100 3D Festanstellungen im Jahr in ganz Deutschland, ein Witz.
allein von den Studiengängen kommen schon mehr als doppelt soviele.
Aber die können ja alle als Freelancer arbeiten.
Es werden nur noch Praktikanten gesucht weil es ja genug Leute gibt,

Wenn man durch die Börsen geht sieht man meist immer die selben Firmen mit der selben Stelle.
Ich kenne Anzeigen die stehen seit 1 Jahr drin.
Anscheinend gibt es doch nicht genug Leute.

Ich rate also derzeit ab in diesen Beruf ernsthaft einzusteigen

Tut euch ein gefallen und sucht ein richtigen Job.

TilesDi. 10 Mär. 2015, 18:22 Uhr
Hallo Steven,

Interessantes Thema smile

In einigen Punkten stimme ich dir zu. Der 3D Markt mit allem was dazugehört ist einfach komplett überlaufen. Und der Markt ist mehrfach gesättigt. Und da rappelt es deswegen auch immer mal wieder.

In anderen Punkten stimme ich dir allerdings nicht zu. Dazu gehört zum Beispiel deine Schlussfolgerung dass man deswegen die Finger komplett vom Beruf lassen sollte. Was es gibt ist ein sehr harter Marktdruck. Viel Arbeitszeit, wenig Geld. Aber den gibt es in allen künstlerischen und kunsthandwerklichen Berufen. Und das sollte einem dann auch klar sein wenn man den Beruf wählt.

Klar gibts den Trend die 3D Sachen so billig wie möglich zu machen. Es wird aber auch immer den Bedarf an Qualität geben. Gute Künstler und Kunsthandwerker werden immer ein Auskommen haben. Die Masse allein machts einfach nicht. Und nur weil jemand eine Geige hat heisst das noch lange nicht dass er auch darauf gut spielen kann. Das zu lernen dauert Jahre. Und so ist es auch mit der 3D Grafik.

Zum Thema Blender. Das hat den Markt nicht kaputt gemacht. Das Programm wird zwar immer mächtiger, ist aber in der Industrie immer noch sehr selten im Einsatz. Überraschend selten wenn man sich die Power von dem Programm inzwischen anschaut. Das ist ein Hobbytool, auch wenn es die Entwickler soo gern anders sehen würden. Die Profis sind nach wie vor mit Profiwerkzeug unterwegs. Max, Maya und Konsorten.

Dass Blender einfach keinen Fuss in die Industrie bekommt hat mehrere Ursachen. Blender integriert sich nicht gut in Pipelines. Es ist auch immer noch nicht so mächtig wie die grossen Programme, und hat einen komplizierten Workflow. Und es ist Open Source mit einer GPL Lizenz. Was kommerzielle Pluginentwickler abschreckt. Und da sind wir dann wieder bei der Pipeline.
GastDi. 10 Mär. 2015, 18:47 Uhr
Ich kann das so nicht stehen lassen das es der Branche schlecht geht!
Der Markt ist überschwemmt von Hobbyisten und sorry für den Begriff,Nichtskönnern die meinten sie könnten sich ihr Taschengeld aufbessern.das hat auch ein paar Jahre gut funktioniert,aber nun sieht es so aus,das Profis wieder mehr gefragt sind,weil die Firmen mit besagten kinderzimmerproduktionen auf die,verzeiht mir,fresse gefallen sind.so ergibt es sich natürlich das nun viele "Artists" auf der Straße zu stehen scheinen,aber die Profis die nicht nur eine fundierte Allgemeinbildung besitzen im Bereich Fotografie und Film sonder auch die Berufserfahrung mitbringen,stehen voll im Job und verdienen ein Schweine Geld!
Als neu oder Quereinsteiger hat man es nicht schwerer oder einfacher wie vor 10 Jahren!!
Von nichts kommt nichts und wer zu den besten im/mit Job zählen will muss sich auf den hinter setzen und was tun und nicht jammern!!
Harter Job=Harte regeln,dass war noch nie anders und das wird es auch nie sein!!!

Edit: die Software ist heutzutage in der Lage schneller fotorealismus zu erzeugen, was dazu führt das man schneller sieht wer fotografieren kann und wer nicht,denn darauf kommt es an und nicht darauf wie gut du das Programm beherrschst,denn das ein Künstler es beherrscht ist eine absolute grundvorraussetzung!
Der Anspruch ist nicht fotoqualität im Sinne das es aussieht wie ein Foto sonder das es fotografisch auf highlevel liegt.
Wenn du es erfüllst künstlerisch auf hohem Level zu arbeiten,egal mit welchem Tool,dann sind Tagessätze von bis zu 1000€ Keine Seltenheit,also nicht jammern sondern machen!!

Ach ja...festeinstellungen waren in dem Segment noch nie Usus!
Freelancer waren schon immer gefragter eben wegen der Preise.
Eine festeinstellungen kann sich eben kaum ein Unternehmen leisten.
Es gibt schon gute Gründe warum auch High end Fotografen bis heute Freiberufler sind.
tal0canDi. 10 Mär. 2015, 21:30 Uhr
Dazu möchte ich auch sagen das ich mich mit Blender befasse, Nebenbei wie die Meisten, aber wenn Firmen Leute suchen ist fast nie die Rede von Blender, das ist zwar mächtig, aber eben ein Hobby Programm.
Und die paar Leute die mit Blender ihr Geld verdienen hauen Workshops raus oder schreiben Bücher, sicher gibt's bestimmt ein paar Freelancer mit Blender, aber dann verstehen die auch ihr Handwerk. Also wenn ich im 3D Bereich Geld verdienen müsste würde ich Max oder Maya nehmen, oder noch Modo, aber meine grafischen Fähigkeiten sind eh nicht gut genug um jemals mit 3D Geld zu verdienen.
MfG
StevenDi. 10 Mär. 2015, 21:57 Uhr
Tut mir leid ich kenne genug Topleute
Da hat keiner ein Tagessatz von 1000 Euro.
Vielleicht Flame Artists vor 10 Jahren...
Oder als TD bei ne europäischen Topfirma aber nicht in Deutschland, außer vielleicht in der High End Industrievisualisierung.
Tagessatz ist der Standard inzwischen 300 Euro. In Berlin wohl eher 200 Euro.
Und nicht Senior Artists sind froh wenn sie für 150 mal auflaufen können.
Die fetten Zeiten sind längst vorbei.
Und wenn interssiert was 0,01 % kriegen.
Und voll gebucht ist sowieso keiner.
GastDi. 10 Mär. 2015, 22:17 Uhr
Auch wenn ich mir gerade hier mit der Aussage einige Feinde schaffe,aber ich verstehe es eh nicht warum Blender überhaupt zum Einsatz kommt...das ist so dieses "wir zeigens den großen" verhalten was einen nicht weiter bringt...wie schon so treffend gesagt wurde,Blender ist in einer professionellen Umgebung selten bis garnicht,eher garnicht,anzutreffen.
Und nur weils für lau ist heißt das doch nichts,oder glaubt ihr etwa das ich,als ich angefangen habe die 45000DM für ne Maya 1.5 license hatte...die cracks liefen damals eh stabiler als die dongle...
Worauf es jedoch am meisten ankommt ist der Output und der ist nunmal abhängig von der Engine die rendert.
Das sieht man alleine daran wie astronomisch schnell vray,mental Ray überholt hat...und das Maxwell lange nicht der Garant für fotorealismus ist,obwohl man nur einen Knopf bedienen muss.
Wie bereits erwähnt trennt sich gerade mal wieder die Spreu vom Weizen und am leben bleiben die,die künstlerisches Talent besitzen,denn kein cgi Job ist ein full cgi Job,man muss z.b. auch zeichnen können und ein feeling für den Moment haben.
Cgi Artist wird immer mehr ein traditionell angelehnter Kameramann oder Fotografen Job und von denen gibt's nicht viele gute auf der Welt.

Edit: natürlich verdient man das nur im highend,Steven!
Warum sollte man als mittelmäßiger Künstler auch den Höchstsatz verdienen?
Und ganz ehrlich,der Preis steht und fällt mit deinem Talent!!
Wenn deine Bilder etwas haben,was kein anderer kann,dann machst du den Preis,so kenn ich es.
Und wo sind die fetten Zeiten denn bitte vorbei??ich habe als Anfänger damals 600€ verdient...im Monat!!!das war normal!!
Ich glaube da sieht ein Einsteiger mit 150 pro Tag garnicht so scheisse aus!
stoNeDi. 10 Mär. 2015, 23:24 Uhr
dann kann ich ja froh sein, dass ich das ganze nur als hobby betreibe und einen richtigen beruf gelernt habe.
ich habe eher das gefühl, dass sich der großteil der kunden mit minderer qualität zufrieden gibt, weil das einfach billiger ist.
aber die schuld auf eine freie software zu schieben finde ich persönlich etwas übertrieben.

PS: talent ist wohl nur ein geringer teil
einen spitzensatz wird man wohl kaum mit einer 40-stunden-woche verdienen. nach 20 jahren hobbybastelei kann ich mir gut vorstellen, dass da richtig arbeit reingesteckt werden muss.
darum würde ich auch nie mein hobby zum beruf machen. ich kann in meinem job nach 8 stunden/tag nach hause gehen und mit meiner familie etwas unternehmen.
SleepyDi. 10 Mär. 2015, 23:28 Uhr
1000 Euro Tagessatz ? Auf welchem planeten wohnst du ? Standart liegt irgend wo zwischen 200 und vielleicht 500€ Euro. Ich finde das ist auch genung. Das durschnittseinkommen in Deutschland liegt bei etwa 1500€ bei einem Tagesatz von 300 Euro als Freelance fährst du da ganz ähnlich.

Nicht mal Freelancer die für Pixomondo arbeiten haben so einen Tagessatz diese Zahl von 1000 € ist absolut utopisch.

Auch das Blender den Markt kapput gemacht habe soll halte ich für einfach nicht war. Mir wäre keine einzige Firma bekannt die gewerblich mit Blender arbeitet. Wenn du Freelancer bist kannst du schliesslich arbeiten mit was du willst dann spielt es aber auch keiine Rolle mit welcher Software du arbeitet den auf 200€ Mietgebühr im Monat für eine Maya Lizenz und einem Tagesatz von 300€ kommt es dann auch nicht mehr darauf an.

Blender ist definitv keine Konkurrent für den Markt und ist auf dem Markt praktisch nicht vertreten.

Und ich gebe da Virtograf recht. Ich denke viele die ein bischen was mit blender anstellen können denken sie haben es drauf. Aber zu 3D gehört nun mal mehr als CGTextures Texturen auf ein Modell zu werfen.

Das Budgets gedrückt werden ist ja überall so und hat meiner Meinung nach nichts mit der Branche zu tun.

Zum Thema Branche und Zukunft denke ich eigenlich genau das Gegenteil ich denke die Branche hat Zukunft da immer und immer mehr im Bereich VR mit der Oculus rift , Microsoft hololens etc passiert.

Denoch möcht ich betonnen das Blender im Preis/Leistungsverhälniss sicher unschlagbar ist aber eben nur im Hobby Bereich.








defraggerDi. 10 Mär. 2015, 23:31 Uhr
also wir haben grade mehr Aufträge als wir bearbeiten können und wir finden keine guten Leute.

Blender ist in einer professionellen Produktion eigentlich nicht einsetzbar. Eine 3ds Max Mietlizenz mit allen Updates kostet irrgendwas um 1500 Euro pro Jahr, also nicht grade viel. Da brauche ich nicht über Blender nachdenken. Um die Software zu lernen gibt es die Studentenversion. Allerdings finde ich es moralisch auch vertretbar einen Crack zu benutzen, solange man die Software noch lernt und kein Geld verdient.

Das dir ein Hobbyist mit Blender einen Auftrag wegschnappt kann sicherlich mal vorkommen, aber meistens sind das die Auftraggeber, bei denen eh kaum Budget zur verfügung steht und man mit Qualität nur schwer argumentieren kann.
defraggerDi. 10 Mär. 2015, 23:39 Uhr
1280 Euro Tagessatz war bisher das höchste was ich abrechnen konnte.
Das war aber eine einmalige Ausnahme. Normal sind 320 Euro. Mit zunehmendem Anspruch und Dringlichkeit kann man dann rauf gehen. Aber ein durchschnittlicher Tagessatz von 400 Euro sollte locker zum leben reichen.
 

 


 
 
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